Die GORILLA-Bewegung
12 Fragen an Tobias Kupfer, GORILLA Deutschland gGmbH – März 2016

Nachdem die GORILLA-Bewegung in der Schweiz schon seit Jahren erfolgreich etabliert ist, wagen sich die Freestyler nach Deutschland und Österreich und wollen auch hier mehr UGA-UGA ins Leben der Kinder und Jugendlichen bringen.

Was sich GORILLA vorgenommen hat und wie sie junge Menschen langfristig an mehr Bewegung und gesunde Ernährung heranführen wollen, verrät Tobias Kupfer, Co-Geschäftsführer der Gorilla Deutschland gGmbh im KJMK-Interview.

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Die GORILLA-Bewegung will dafür sorgen, dass Kinder und Jugendliche ein selbstbestimmtes Leben führen, sich bewegen und gesund ernähren. Was macht ihr genau? 
Warum GORILLA und UGA-UGA?

GORILLA ist das erste nichtstaatliche und überregionale Gesundheitsförderungsprojekt in Deutschland. Das Programm der Prof. Otto Beisheim Stiftung bewegt seit 2015 bundesweit Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene im Alter von 9 bis 25 Jahren. Im Rahmen von Tagesworkshops an Schulen mit bis zu 120 Schülern vermitteln unsere Freestyle-Sportler und Ernährungsfachleute wichtige Themen rund um Bewegung, Ernährungskompetenz und Nachhaltigkeit. Wir wollen die Kids motivieren sich mehr zu bewegen, gesund zu leben und unseren Planeten zu schützen. Die Zahlen verschiedener Studien zeigen, dass mehr als 2.000.000 Kinder und Jugendliche in Deutschland übergewichtig sind. In Zeiten von Überkonsum, Medienwahn und sozialer Armut braucht es einen neuen Ansatz. Wir nennen diese, unsere Kraft, die UGA-Power. 
Warum GORILLA? Der Gorilla ist für alle ein sehr anziehendes Tier. Er ist dem Menschen ähnlich, sehr sozial und ernährt sich sehr ausgewogen. Zudem ist er vom Aussterben bedroht und somit schützenswert- genauso wie unsere Kinder!

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Der größte Teil der Kinder bewegt sich sehr gern und ist offen für alles neue. Wie sieht das bei Jugendlichen aus? Erreicht ihr auch die „Couch-Potatoes“?

Der erste Schritt, um die Kids zum Umdenken anzuregen, ist der Workshop an den Schulen. Hier werden alle mit eingebunden – ob im Kindesalter oder in den Teenager Jahren, aktiv oder Couch-Potato, übergewichtig, mit Migrationshintergrund oder Behinderung, spielt dabei keine Rolle. Unsere geschulten GORILLA Coaches pushen auch „Couch-Potato-Teenies“ auf eine spassige und coole Art und Weise, in ihrem eigenen Leistungsspektrum und helfen ihnen, ihr Potential voll zu entfalten. Dabei dient der Freestyle-Sport als idealer Kanal, denn er ist genauso vielseitig und verschieden wie sie.

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Euer Hauptenagagement sind die Workshops an Schulen. Aber wie schafft ihr es, wirklich im Alltag der Kinder anzukommen? Wie sorgt ihr für langfristige Effekte?

Unsere Coaches und Botschafter sind Leitbilder für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene, die sich ihrer damit zusammenhängenden Verantwortung bewusst sind. Die Inhalte werden auf jugendnahe Art vermittelt. Gerade in diesem Alter suchen die Schüler nach echten Vorbildern und ihrem ganz individuellen Platz in der Gesellschaft. Dadurch werden viele Teilnehmer der Workshops dazu motiviert, das Erlernte auch danach weiter zu verfolgen und auszuprobieren.

Tobias Kuper & Roger Grolimund

Tobias Kupfer ist ehemaliger Skateboard-Weltmeister, Gründer und Co-Geschäftsführer der GORILLA Deutschland gGmbH.

Roger Grolimund gründete 2003 die Schtifti-Foundation und legte den Grundstein für die GORILLA-Bewegung.

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Was macht ihr anders als andere Initiativen für mehr Bewegung oder gesunde Ernährung?

Das Programm an sich vereint nicht nur Bewegung und gesunde Ernährung – auch Nachhaltigkeit, Inklusion und Gleichstellung werden bei uns ganz groß geschrieben. Durch überregionale Touren an Schulen in ganz Deutschland, Österreich und der Schweiz erreichen wir einige tausend Kinder und Jugendliche. 
GORILLA wurde ursprünglich als Jugendbewegung in der Schweiz gegründet. Wir alle kommen aus verschiedensten Bereichen und Lebenssituationen. Was uns aber alle verbindet, ist der Freestyle-Lifestyle und die Überzeugung dass eine gesunde und verantwortungsvolle Lebensweise nicht nur uns, sondern auch unsere gesamte Umwelt positiv beeinflusst. Wir sind so individuell und einzigartig wie jeder der Kinder und Jugendlichen – und genau deshalb sind wir so authentisch.

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Die Zielgruppe von 9 bis 25 Jahre ist breit gefasst. Wie schafft ihr es, Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene gleichermaßen zu erreichen? Was involviert am stärksten? 


Unser Hauptkern, die Workshops an Schulen, ist auf alle Altersklassen anwendbar. Wer nicht die Gelegenheit hat, an einem Workshop teilzunehmen, aber trotzdem an GORILLA interessiert ist, kann auch unsere anderen Module nutzen.

Diese haben wir entwickelt, um den nachhaltigen Effekt zu unterstützen. Unter anderem bieten wir ein eLearning Tool, eine ansprechende Website und Smartphone- App an. Hier sind coole Lernvideos rund um die Freestyle-Sportarten, Kochen, nachhaltigen Konsum und Co. zu finden und immer und überall abrufbar. Für Lehrer stellt GORILLA Unterrichtsmaterial und E-Learning-Angebote zur Verfügung, So ist auch eine Integration des GORILLA-Programms in den Unterricht möglich. Auch unsere Social Media Kanäle werden regelmäßig mit spannenden Themen befüllt, um die Kids dort abzuholen wo sie ohnehin schon sind. Außerdem haben wir noch ein ansprechendes Kochheft für den Heimgebrauch entwickelt. Neu mit dabei ist nun auch ein Art mobiles Baukastensystem „Playground“, welches aus verschiedenen Freestyle-Sportgeräten besteht. So kann der Sport auch nach den Workshops in der Freizeit oder an Schulen betrieben werden. Wir sind stetig dabei uns zu verbessern und zu optimieren um so möglichst vielen Kids und Heranwachsenden langfristig einen positiven Impact zu geben.

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Welche Altersgruppe ist am schwierigsten zu motivieren? Gibt es Unterschiede bei Jungen und Mädchen? 


 

Ich denke nicht, dass sich das pauschalisieren lässt. Die GORILLA-Bewegung ist wie eine Welle, die jeden mitnimmt. Die Schüler sind extrem motiviert, das ist wohl auch besonders den coolen Botschaftern und Coaches zu verdanken, mit denen sie sich identifizieren können. Hat ein vermeintlich unsportlicher, erstmal entdeckt, dass er seine eigenen Grenzen überschreiten kann und erste Erfolgserlebnisse verbucht, so ist auch bei ihm kein Halten mehr. Ob Mädchen oder Junge ist hierbei absolut unwichtig. Bei GORILLA sind alle gleich und jeder kann voneinander lernen. 
 Dazu kommt, dass sich Freestyle-Sport sich durch Individualität auszeichnet und keinem striktem Regelsystem und festen Schemen folgt, in denen wir in unserer Gesellschaft ohnehin schon gefangen sind. Beim Freestyle-Sport kann sich jeder ganz eigenständig entwickeln und seinen Weg finden. Dadurch werden eben so viele verschiedene Kids angesprochen. Zudem ist Freestyle-Sport sehr vielseitig. Klappt es zum Beispiel auf dem Skateboard nicht so, kann man auch extrem coole Tricks mit dem Frisbee machen oder beim Breakdancen ein völlig neues Körpergefühl gewinnen.

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Welche Rolle spielen eure Botschafter als Vorbilder? Schreckt das Jugendliche nicht auch ab, wenn sie mit solchen Profis gemeinsam Sport treiben sollen? Wie nehmt ihr ihnen die Angst, sich vor Gleichaltrigen zu blamieren? 


Unsere Botschafter zeigen den Schülern, dass sie auch mal „klein“ angefangen haben, hingefallen aber auch wieder aufgestanden sind. Das Ergebnis davon – ihre Fähigkeiten – motiviert und spornt an. Die Inhalte des GORILLA Programms werden auf Augenhöhe vermittelt und dabei wird keiner ausgeschlossen. Wir setzten uns für die Schwächeren ein und pushen sie. Wir sind davon überzeugt dass jeder über sich hinaus wachsen kann und unsere Motivation, unser pädagogisches Feingefühl und eine große Portion Humor stärken die Kinder und Jugendlichen dabei und bauen Barrieren ab.

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Welche Medien nutzt ihr im direkten Kontakt mit der Zielgruppe? 


Die Frequentierung ist auf den Online-Kanälen am höchsten. Ganz speziell die Social Media Kanäle sind für uns auch ein wichtiger Multiplikator. So können wir beispielsweise über Youtube oder Facebook unsere Tutorials oder spannende News so schnell verbreiten, wie nirgendwo anders. Damit aber die eigentliche Botschaft, nicht in Vergessenheit gerät, legen wir höchsten Wert darauf dass wir soviel persönlichen Kontakt wie möglich zu Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen haben. Dies geschieht natürlich besonders an den Schulen, aber auch bei Meet and Greets mit Freestyle-Stars oder auch über Lehrer als Meinungsbildner.

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Gibt es Erfolgszahlen über die Anzahl der Teilnehmer an den Workshops hinaus?

Die Evaluation unserer ersten Deutschlandtour hat uns deutlich gezeigt, dass GORILLA wirkt. 2015 war GORILLA bereits deutschlandweit an 13 Schulen und konnte mit den Tageskursen knapp 1.300 Kinder zu gesunder Ernährung und mehr Bewegung motivieren. Die Ergebnisse der anschließenden Evaluation sind durchweg positiv. 86% der SchülerInnen hat der GORILLA sehr gut bis gut gefallen. 89% wären gerne noch einmal bei einem GORILLA Workshop dabei. Auch der nachhaltige Effekt des Programms lässt sich aus der Evaluation ablesen. So möchten sich beispielsweise 87% der Befragten SchülerInnen in Zukunft mehr bewegen. 75% konnten beispielsweise etwas von Ihrem Wissen, das sie im Ernährungsteil des Tageskurses gelernt haben, zu Hause anwenden. 62% trinken nun mehr Wasser. Und nicht zuletzt die Tatsache, dass wir das meist ausgezeichnetste Programm im D-A-CH-Raum sind und so viele Menschen und Institutionen an uns glauben, bestätigt uns in dem was wir tun.

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Wie erreicht ihr die Schulen und Lehrer? Welche Rolle spielen die Eltern? Werden sie ebenfalls einbezogen?

In der Schweiz gibt es über die Jahre schon ein sehr gut funktionierendes Netzwerk der Schulen und Lehrer, die mit den GORILLA Modulen arbeiten. Lehrer werden in Konferenzen über uns informiert und Schulen können sich bei uns für Workshops bewerben. Vorträge, Messen und Seminare bei denen wir sprechen dürfen, dienen ebenfalls der Verbreitung unserer Bewegung. Deutschland ist groß und wir arbeiten daran auch hier bald den gewünschten Inpact zu haben. Es sind einige neue Module in der Pipeline – unter anderem auch eine Eltern Evaluation die wir so noch nicht haben. Denn ganz klar ist: Die Eltern sind extrem wichtig, wenn es um den Support unserer Bewegung und deren langfristige Wirkungen geht.

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Was sind die größten (Marketing-)Herausforderungen, vor denen ihr 2016 steht?

 

Wir haben sehr viele Ziele für 2016. Das wohl größte Marketingziel ist dabei sicherlich GORILLA in Deutschland und Österreich bekannter zu machen. Im Vergleich zur Schweiz ist Deutschland deutlich größer, was für uns gleichzeitig bedeutet, dass wir langfristig mehr Workshops und Module anbieten und eine deutlich größere Zielgruppe erreichen möchten. Dabei können wir sehr stark von den Erfahrungen des Schweizer GORILLA-Teams profitieren.

Wir möchten dass jeder die Chance hat, den Input von GORILLA zu nutzen und so Anreize zu erhalten, sein Leben sinnvoll und verantwortungsbewusst zu gestalten.

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Warum sind Kinder und Jugendliche die schönsten aller Zielgruppen?

 

Kinder und Jugendliche gestalten unsere Welt von morgen. Sie halten die Zukunft in Händen und wenn wir es schaffen, die richtigen Werte zu vermitteln und zu einem gesundem Lebensstil zu animieren, dann kann jeder von uns guten Gewissens behaupten, die Welt ein bisschen besser gemacht zu haben.