Der Gastbeitrag von Carola Laun wurde auf der Website des VSZ veröffentlicht.

Der Vereins- und Stiftungszentrum e. V. (VSZ) mit Sitz in Dresden wurde 2012 zur Unterstützung gemeinnütziger Organisationen und bürgerschaftlich engagierter Menschen gegründet.

Deutschlandweit werden professionelle Weiterbildungen, Beratungen sowie aktuelle Informationen rund um die Themen Vereine, Stiftungen und Gemeinnützigkeit angeboten.

 

Mitstreitende zu finden ist schwierig

Nahezu alle Vereine stehen vor der gleichen Herausforderung: es ist schwer, Mitstreitende zu finden, die sich für den Verein oder die Initiative engagieren, sich einbringen und vielleicht sogar ein Amt übernehmen wollen. Gerade junge Menschen zu finden und zu binden ist besonders schwer – sie sind stark eingebunden in Schule, Ausbildung und Studium, wollen vieles ausprobieren und nichts verpassen und wechseln öfter den Wohnort. Dabei könnten gerade junge Menschen viel frischen Wind in die Organisation bringen. Sie sind oft begeisterungsfähig, haben tolle Ideen, können anpacken und kennen sich mit digitalen Medien aus oder eignen sich schnell technisches Knowhow an – was für Vereine immer wichtiger wird.

Engagement neu denken

Wer Mädchen und Jungen, junge Frauen und Männer für die eigene Vereins-Arbeit begeistern möchte, muss sie verstehen und die Engagement-Möglichkeiten jungen Lebenswelten anpassen. Das Denken in Ämtern und klassische Hierarchien, die es in Sportvereinen und -verbänden häufig gibt, widersprechen jugendlichem Erwartungen: Sie wollen von Beginn an wertgeschätzt und gleichberechtigt eingebunden werden. Sie wollen ihre Ideen umsetzen und etwas bewegen. Wenn sie das in eurem Verein nicht können, machen sie es woanders oder machen gleich ihr eigenes Ding – oftmals kurzfristig, online organisiert und ohne die Komplexität einer Vereinsgründung.

Die Engagement Leiter

Um zu verdeutlichen, wie junges Engagement heute aussehen kann, haben wir das Modell der Engagement-Leiter entwickelt. Wir sehen fünf Stufen des Engagements und es ist wichtig, Kinder und Jugendliche früh über einfache und unverbindliche Formen an ein Engagement und an den Verein heranzuführen.

Approver | Zustimmende

Die erste Stufe ist noch kein wirkliches Engagement, aber dennoch wichtig: Junge Menschen müssen einen Verein, eine Organisation oder Thema erst einmal kennenlernen und gut finden – also dem Zweck zustimmen und dem Engagement anderer positiv gegenüber stehen. Der Einstieg ins Engagement ist also so etwas Simples wie „Informationen wahrnehmen“, evtl. einen Social Media Beitrag liken o. ä.

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Supporter | Unterstützende

In der zweiten Stufe geht es schon um aktive Unterstützung, die aber immer noch extrem einfach ist und in den Alltag junger Menschen passt. Sie folgen vielleicht einem Social Media Account, kommentieren und teilen Beiträge. Sie beziehen im Freundeskreis oder der Familie Stellung oder erzählen etwas weiter. Sie setzen ein Statement, indem sie an Schultasche oder Laptop einen Button oder Aufkleber anbringen. Dies ist noch keine Unterstützung in der Vereins-Arbeit, aber dennoch wertvoll, um ins Gespräch zu kommen, bekannter zu werden und Reichweite zu erzielen.

Contributor | Beitragende

Erst in der dritten Stufe der Engagement-Leiter geht es um direkte Unterstützung der Vereins-Arbeit. Hier wird durch eigenen Einsatz beigetragen. Dieser Beitrag kann ganz unterschiedliche Formen annehmen. Es kann um kleine und größere Spenden gehen, es kann um einen einmaligen Arbeitseinsatz wie Müll sammeln oder Kuchenverkauf gehen, um die Unterstützung beim Webauftritt oder das Einrichten eines Instagram-Kanals. Wichtig ist, dass junge Menschen für ihren Einsatz wertgeschätzt werden und dass sie erst einmal hineinschnuppern können, ohne sich schon zu sehr an den Verein zu binden. Dennoch sollte ein Gefühl von Zugehörigkeit und Selbstwirksamkeit entstehen.

Activists | Aktivisten oder Ehrenamtler

Erst in der vierten Stufe sehen wir das klassische Ehrenamt. Junge Menschen, die wirklich etwas bewegen wollen und bereit sind, eine langfristige Aufgabe zu übernehmen sind sehr wertvolle Unterstützende in vielen Aspekten der Vereins-Arbeit. Ob im Sport als Schiedsrichter:in oder Übungsleiter:in, ob in der Jugendarbeit in der Betreuung einer Kindergruppe, ob als Social Media Beauftrage für die Außendarstellung des Vereins oder in einem Vorstandsamt und, und, und… Vereine sollten darauf achten, dass das Zusammensein, der Austausch und der gemeinsame Spaß auf keinen Fall zu kurz kommen. Jüngere sollten schnell das Gefühl haben, dass sie sich einbringen können und ihre Ideen auch Gehör finden.

Initiator | Initiatoren

Die Initiatoren machen ihr eigenes Ding. Ihnen ist ein Thema so wichtig, dass sie sich mit vollem Einsatz und ganzem Herzen dafür engagieren. Sie agieren als Einzelkämpfer:in, suchen sich einen passenden Verein oder rufen ihre eigene Gruppe, Initiative oder Organisation ins Leben. Wenn sie sich auf vorhandene Strukturen einlassen, werden sie hier viel umkrempeln und sich nicht bremsen lassen. Für etablierte Vereine sind Initiator eine Chance, sich neu aufzustellen, aber auch ein Risiko, wenn der Verein das Tempo nicht mitgehen kann und will. Es gibt aber immer auch die Möglichkeit, nach besonders Engagierten außerhalb des eigenen Vereins zu schauen und zu überlegen, wie man zusammenarbeiten kann – oftmals wollen viele ähnliches erreichen, nur nicht auf dem gleichen Weg.

Als Verein solltet ihr

  • Marketing und Öffentlichkeitsarbeit als ebenso wichtige Aufgabe ansehen wie die Arbeit rund um euren eigentlichen Vereinszweck. Ein guter Außenauftritt und Aufmerksamkeit für eure Themen ist wichtig! Gleichzeitig können eure Social Media Aktivitäten, Auftritte bei Stadtfesten oder in Schulen, Plakate, Broschüren und Give-Aways schon die ersten beiden Stufen des Engagements ermöglichen.
  • überlegen, in welcher Form man sich bei euch auf ganz einfache und unverbindliche Weise einbringen und engagieren kann. Wie können z. B. Kinder von Vereinsmitgliedern oder eine Schulklasse herangeführt werden. Was kann einmalig und ohne großes Vorwissen erfolgen und bringt euch als Verein weiter?
  • den Spaß an der Gemeinschaft in den Vordergrund stellen. Natürlich wollt ihr mit eurem Verein etwas bewegen. Dennoch sollten die Engagierten nicht das Gefühl haben, dass der Verein (nur) Arbeit bedeutet. Es sollte der Ort sein, an dem sie Freund:innen und Gleichgesinnt treffen, mit ihnen gemeinsam eine gute Zeit verbringen, sich gemeinschaftlich engagieren und etwas Gutes tun!
  • junge Menschen persönlich ansprechen! Schaut in eurem Umfeld oder unter teilnehmenden Jugendlichen, fragt Vereinsmitglieder, geht in die Schulen: wo sind junge Menschen die zu euch und eurem Verein passen könnten und die vielleicht sogar passende Kompetenzen haben. Geht gezielt auf sie zu und bittet sie um Unterstützung – viele, die von allein vielleicht gar nicht auf die Idee kommen, freuen sich, wenn sie sich in einer guten Gemeinschaft einbringen und etwas beitragen können!