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Für die JIM-Studie werden jedes Jahr über 1000 Jugendliche im Alter von 12 bis 19 Jahren in Deutschland zu den Themen Medien, Internet und Information befragt.

Im November veröffentlichte der medienpädagogische Forschungsverbund Süd-West bereits die zweite JIM-Studie seit Beginn der Corona-Pandemie – und es hat sich viel verändert. Immer mehr Beleidigungen und Fake News im Netz, wieder mehr Freizeitmöglichkeiten für Jugendliche und weniger Distanzunterricht.

Wir haben die wichtigsten Ergebnisse der Studie über Jugend, Information und Medien für euch zusammengefasst:

 

Breite Ausstattung und Nutzung

Fernseher, Computer, Smartphones und Internet sind natürlich in fast allen Haushalten vorhanden und für die Jugendlichen frei verfügbar. Bei vielen kommen dazu noch spezielle Geräte wie Spielkonsolen, Smartwatches, E-Book Reader oder Smart Speaker.

Internet und Medien sind also ein fester Bestandteil des Alltags junger Menschen. Durchschnittlich nutzen sie das Internet 241 Minuten am Tag, das sind 17 Minuten weniger als im letzten Jahr. Möglicherweise aufgrund der gelockerten Corona-Maßnahmen und zunehmenden Freizeitmöglichkeiten im Vergleich zu 2020.

Eine der beliebtesten Nutzungsmöglichkeiten des Internets sind weiterhin soziale Medien. Zum ersten Mal erfragte die JIM-Studie in diesem Jahr warum die Jugendlichen bestimmte soziale Medien nutzen:

Besonders YouTube und TikTok werden oft benutzt, um Langeweile zu vertreiben oder Unterhaltung und Spaß zu haben, während bei Instagram im Vordergrund steht, eigene Beiträge zu posten, auf dem neusten Stand zu bleiben und neue Leute kennenzulernen. Snapchat dagegen ist fast ausschließlich dazu da, um mit Freund_innen zu kommunizieren.

Die wichtigsten Apps 2021

  1.  WhatsApp
  2. Instagram
  3. YouTube
  4. TikTok
  5. Snapchat
  6. Spotify
  7. Facebook
  8. Google
  9. Netflix
  10. Twitter

 

TV, Streaming und Musik

Streaming-Dienste sind weit verbreitet: Über 80% der Jugendlichen haben zuhause Zugang zu mindestens einem Streaming-Dienst wie Netflix, Amazon Prime oder Disney+. Am liebsten schauen sie dabei Doku Soaps und Scripted Reality Serien, wie „Berlin Tag & Nacht“ oder „Shopping Queen“, gefolgt von Zeichentrickserien und Sitcoms.

Für Videoformate und Musikstreaming ist YouTube bei weitem die beliebteste Plattform. Hier werden besonders Musikvideos und Videos von Influencer_innen geschaut. Auch beliebt sind Pranks (also Streiche), Wissens- und Erklärvideos und Let’s Play-Videos. Die beliebtesten Influencer_innen waren 2021 Bibis Beauty Palace, Gronkh und Julien Bam.

Welche Musik gehört wird, unterscheidet sich stark zwischen Mädchen und Jungen: Bei den Jungen ist Hip-Hop der klare Gewinner, gefolgt von Rock und Pop, während bei den Mädchen Pop ganz vorne liegt.

Die Freizeit außerhalb von Internet und Medien

Im letzten Jahr gab es wieder mehr Möglichkeiten für junge Menschen etwas zu unternehmen und sich zu treffen. Bei den meisten stand deshalb das Treffen mit Freundinnen und Freunden an erster Stelle. Auch wichtig sind sportliche Aktivitäten: Gut die Hälfte treibt regelmäßig Sport. Ebenfalls die Hälfte widmet sich in ihrer Freizeit Do-it-yourself- und Handarbeiten.

Für einen Teil der Jugendlichen sind auch Bücher ein wichtiger Teil der Freizeitgestaltung: In den letzten Jahren ist jedoch der Anteil der Jugendlichen, die regelmäßig lesen von ca. 40% auf nur noch ein Drittel gesunken.
Deutlich ist auch, dass Mädchen im Durchschnitt mehr lesen als Jungen und das Schüler_innen an Haupt- und Realschulen viel weniger lesen als Schüler_innen an Gymnasien. Dazu kommt, dass die Leseaffinität im Alter deutlich abnimmt: Bei den jüngeren gibt es 10 % mehr Leserinnen und Leser als bei den älteren Jugendlichen.

Sorgen und Wünsche der Jugendlichen

Obwohl die Schulen 2021 besser auf Distanzunterricht vorbereitet waren, bewerten die meisten Jugendlichen das digitale Lernen im zweiten Lockdown schlechter. Besonders unter 18- und 19-jährigen fällt eine höhere Unzufriedenheit mit Lernbedingungen auf. Möglicherweise, da diese dadurch bei Prüfungsvorbereitungen fürs Abitur stärker beeinträchtigt wurden. Grundsätzlich sind aber die Schüler_innen am Gymnasium zufriedener als die an Haupt- und Realschulen.

Die Jugendlichen wurden außerdem gefragt, was ihre Erfahrungen, Wünsche und Befürchtungen während der Corona-Pandemie sind. Den meisten fehlen soziale Kontakte wie Feste und Veranstaltungen oder auch Sport und Vereinsaktivitäten. Viele machen sich außerdem Sorgen um die Gesundheit ihrer Familie und Freund_innen, weniger jedoch um ihre eigene Gesundheit. Knapp die Hälfte gibt an, sich oft allein und einsam zu fühlen und gut die Hälfte der Schüler_innen, aber auch der Studierenden und Auszubildenen macht sich Sorgen, in der Schule und Ausbildung nicht mithalten zu können.

Auch ihrer hohen Online-Zeit stehen die meisten jungen Menschen kritisch gegenüber: Viele haben das Gefühl, dass das Handy ihnen viel Zeit wegnimmt, und genießen es, wenn sie mal Zeit ohne Internet und Handy verbringen können. Einige schalten ihre Geräte sogar regelmäßig aus, um Zeit für sich zu haben.

Datenschutz ist dagegen für die meisten Jugendlichen kein großes Thema: Ein Großteil gibt an, sich in sozialen Medien in Bezug auf Datenschutz sicher oder sogar sehr sicher zu fühlen.

News vs. Fake News

Die meisten Jugendlichen setzen sich mit aktuellen Nachrichten auseinander:  Klimawandel und die Corona-Situation, sowie soziale Themen, wie Gleichberechtigung von Mann und Frau, die Black Lives Matter Bewegung und Vielfalt in der Gesellschaft spielen in ihrem Alltag eine wichtige Rolle.

Die wichtigsten Nachrichtenquellen für junge Menschen sind Fernsehen, Radio und Internet. Für einige kommen noch soziale Medien und Google News dazu, Zeitungen lesen dagegen nur sehr wenige.

Immer mehr Jugendliche kommen dabei im Internet mit falschen Informationen und Hassbotschaften in Berührung. Über die Hälfte der Befragten gibt an im letzten Monat mit Verschwörungstheorien, Fake News und beleidigenden Kommentaren konfrontiert worden zu sein. Das sind 10 Prozent mehr als im Jahr 2020. Besonders die jüngeren, im Alter von 12 und 13 scheinen von dem Problem betroffen zu sein, bei ihnen liegen die Werte noch höher. Das könnte zum einen daran liegen, dass die Älteren diese Inhalte enger definieren können oder sich an sie gewöhnen und zum anderen daran, dass die Jüngeren noch ein riskanteres Nutzungsverhalten im Internet aufweisen.

JIM-Studie 2021

Die vollständige Studie könnt ihr hier lesen und kostenlos herunterladen