Die Zukunft der Energie gestalten!
10 Fragen an Renate Gluth, NEW – Februar 2017

„Wasser zum Anfassen“ für die Jüngsten, Aktionstage zum Thema Energie in Schulen, Wissenschaft trifft Praxis ab Klasse 10, Gründerstipendium… vielfältige Angebote der NEW für junge Menschen.

Renate Gluth, seit 2012 im Bereich der Schulkontaktpflege bei der NEW AG tätig, berichtet im KJMK-Interview über die Möglichkeiten, schon junge Menschen für das Thema Energie zu begeistern und langfristig zu begleiten.

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Warum kümmert sich ein Energieversorger schon um Kinder und Jugendliche? Welche Strategie/Ziele verfolgen Sie und welche Ansprachekanäle nutzen Sie?

Die NEW fühlt sich als regionaler Energieversorger für die Lebensqualität in der Region verantwortlich und ist mit den Menschen vor Ort eng verbunden. Mit zukunftsweisenden, ressourcenschonenden Lösungen stellen wir uns den wachsenden Herausforderungen im Energiemarkt. Kinder und Jugendliche sind unsere Kunden der Zukunft. Wir verstehen uns deshalb auch als Partner der Schulen. Gemeinsam mit den Lehrkräften möchten wir das Wissen der Schüler zu den Themen Energie, Wasser, Haushaltstechnik und Ernährungsbildung fördern, damit Sie Ihre Umwelt verstehen und verantwortungsbewusst mitgestalten können. Wir haben viele Schulen, die unsere Angebote bereits seit vielen Jahren nutzen. Schulen, die unsere Lernangebote noch nicht kennen, finden diese auf unserer Internetseite www.new.de/schulkontakt. Darüber hinaus schreiben wir die Schulen in unserem Versorgungsgebiet regelmäßig an und bieten Aktionstage in ihren Klassenräumen oder an unseren Standorten an. Ganz aktuell haben wir unsere umfangreichen Lernangebote in der Broschüre „Wir kümmern uns um Bildung“ zusammengefasst. Diese Broschüre stellen wir den Schulen zur Planung ihrer Exkursionen zur Verfügung.

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Wissenschaft trifft Praxis. Welche Zielgruppen sprechen Sie mit welchen Botschaften an? 

Unter dem Motto „Wissenschaft trifft Praxis“ sprechen wir Schüler von weiterführenden Schulen ab der 10. Klasse an, die ein Hochschulstudium anstreben. In Kooperation mit der Hochschule Niederrhein bieten wir dieser Zielgruppe ein einwöchiges Seminar im Energielabor an. Im sogenannten „Innovatorium“ können sie selber aktiv werden und praxisnahe Erfahrungen in den Themenbereichen Energiemanagement, Energieeffizienz und erneuerbare Energien sammeln. In einzelnen Workshops lernen die Schüler verschiedene Energietechnologien in selbst durchgeführten Experimenten kennen und untersuchen dabei auch die Wirtschaftlichkeit der untersuchten Technologien.
Die richtige Botschaft für jede Zielgruppe und jedes Angebot zu finden ist uns sehr wichtig, denn das Interesse der Lehrkräfte und Schüler muss zunächst geweckt werden. Als genauso wichtig erachten wir aber auch die Inhalte unserer Angebote. Diese sollten den Schülern Spaß machen, eine sinnvolle Ergänzung zum Unterricht darstellen und sie nicht über- oder unterfordern. Unsere Zielgruppe ist breit gefächert, angefangen bei den ganz Kleinen im Kindergarten, über alle Klassenstufen und Schulformen, bis zu den berufsbildenden Schulen. Energie und Wasser sind alters- und fächerübergreifend wichtige Themen.

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Das NEW-Blauhaus ist ein Vorzeigeprojekt. Was genau ist das Blauhaus? Für wen und welche Altersstufe werden Projekte angeboten?

Das NEW-Blauhaus ist das Innovationsprojekt von NEW und Hochschule Niederrhein. Das Gebäude symbolisiert nicht nur die gute Kooperation zwischen der NEW als regionalem Energieunternehmen und der Hochschule Niederrhein, es steht darüber hinaus sinnbildhaft auch für den verantwortlichen Umgang mit der Ressource Energie. Das moderne 4.000 Quadratmeter große Nullemissionsgebäude im Passivhausstandard auf dem Campus der Hochschule Niederrhein wird von der Hochschule und der NEW gemeinsam genutzt. 77 PV-Module an der Fassade und 230 Module auf dem Dach liefern so viel Strom, dass der gesamte Energiebedarf des Gebäudes gedeckt wird. Jährlich werden so 110 Tonnen schädliches CO2 eingespart. Der nachhaltige Ansatz als Nullenergiehaus setzt sich im Inneren fort, wo eine Energiezentrale die Energieversorgung nach neuestem Stand der Technik sichert. Im NEW-Blauhaus ist das Energielabor „Innovatorium“ für Schüler ab der 10. Klasse beheimatet, aber auch alle Energieangebote für die Grundschulklassen finden hier den richten Rahmen.

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Das NEW-Blauhaus hat auch den WDR Maus-Fans Anfang Oktober 2016 die Türen geöffnet. Wie erklärt man jungen Zuhörern in kurzer Zeit die „Energiewelt“?

Am besten mit einfachen Worten und mit Bezug zu ihrer eigenen Lebenswelt. Kinder sind die geborenen Forscher und das ab ihrem ersten Lebenstag. Werden an solchen Aktionstagen alle Sinne angesprochen, zum Beispiel, indem die jungen Forscher selbst eine kleine Photovoltaikanlage in Betrieb nehmen und anschließend für weitere Versuche mitnehmen können, entdecken sie spielerisch und jedes Kind auf seine eigene Art und Weise die komplexe Energiewelt.

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Diplom-Ingenieurin Renate Gluth ist seit 2012 bei der NEW AG im Bereich der Schulkontaktpflege tätig. Sie verfügt über 20 Jahre Erfahrung als Bildungsreferentin. Die NEW beschäftigt ein Team von insgesamt acht pädagogischen Mitarbeitern, die die Schulen in ihrem Versorgungsgebiet betreuen.

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Die Förderung der jungen Generation liegt der NEW AG sichtbar am Herzen. Würden Sie die Förderung schon als eine Strategie im Sinne des Employer Brandings ansehen?

In unserem Fall ist das soziale Engagement wichtig, da wir schon im frühen Alter in Kontakt mit unseren Kunden von morgen treten können. Es ist demnach für uns natürlich auch ein Kundenbindungsinstrument. Wir schaffen durch unsere praxisnahen Materialien sowie spannenden Experimenten Begeisterung, die sich im Bestfall so stark entwickelt, dass wir damit die Experten von morgen ansprechen. Der Bau des NEW-Blauhauses als „Energieeffizienzzentrum“ spielt dabei eine wichtige und unterstützende Rolle. Durch unser Projekt „Wissenschaft trifft Praxis“ kommen interessierte und zukünftige Hochschulstudenten bereits in Kontakt mit uns als Marke. Der Bereich Employer Branding profitiert dadurch ebenfalls, denn die Suche nach gut ausgebildetem Personal wird immer schwieriger. Durch diese Positionierung erleben uns potentiellen Bewerber und Kunden als glaubwürdigen und attraktiven Arbeitgeber und verantwortungsvolles Unternehmen.

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Sie unterstützen mit Ihrem Gründerzentrum „Blauschmiede“ ambitionierte Energie-Start-ups und vergeben Stipendien. Wie kann man sich das vorstellen?

Wir stecken mitten in der Energiewende: Wir müssen künftig wirtschaftlicher, sicherheits- und umweltbewusster mit dem Thema Energie umgehen als heute. Eine riesige, generationenübergreifende gesellschaftliche Aufgabe. Deutschland kann als Land der Entwickler und Ingenieure, Forscher und Erfinder einen entscheidenden Beitrag leisten, dieses Ziel zu erreichen. Doch wir müssen es schaffen, aus Ideen und Forschungsergebnissen Produkte und Services zu entwickeln, die den Bedürfnissen der Menschen und der Umwelt entsprechen. Dazu müssen wir jungen Menschen mit vielversprechenden Ideen und Visionen den Weg in die Selbstständigkeit und ins Unternehmertum ebnen — das ist die Grundidee der Blauschmiede. Studenten, Absolventen oder junge Gründer finden in der Blauschmiede im Rahmen eines zweijährigen Gründerstipendiums die idealen Rahmenbedingungen für die Entwicklung ihres eigenen Start-ups: einen inspirierenden und einzigartigen Standort -, günstige Mieten, garantierte Umsätze für die Startphase, regelmäßige Treffen mit inspirierenden Persönlichkeiten aus Wirtschaft und Wissenschaft, täglichen Austausch mit Gleichgesinnten und die Nähe zur Hochschule Niederrhein.

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Rückblickend auf Ihre vielen Aktionen– gibt es eine/ oder mehrere Maßnahmen, die Sie für besonders gelungen halten? 

Neben den verschiedenen Themen zum Energiebereich, bieten wir den Schülern das Lernangebot „Wasser zum Anfassen“ in unserem Informationszentrum Trinkwasser an. Im Wasserwerk Helenabrunn befindet sich das 1991 gegründete Informationszentrum mit dem Wassererlebnispfad und der Wasserwerkstatt. Technische Fakten zum Betrieb eines Grundwasserwerks, zu Fragen und Problemen der Trinkwassergewinnung, werden hier auf anschauliche Weise dargestellt und durch praktische Experimente, die die Schüler selbstständig durchführen, erarbeitet. Der wunderschön gestaltete Park lädt an verschiedenen Stellen zu Spiel und Spaß ein – immer mit interessanten Lerneffekten. Daneben bietet die 100-jährige Geschichte des Wasserwerkes die Möglichkeit einer historischen Betrachtung der Trinkwasserversorgung. In der Generatorenhalle des Wasserwerkes wartet eine Dampfkolbenmaschine aus dem Jahr 1901 darauf, von den Schülern entdeckt zu werden. Zahlreiche Grundschulen und weiterführende Schulen nutzen unser Angebot, um ihre Unterrichtsinhalte zum Thema Wasser praxisnah zu vertiefen.

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Vielleicht können Sie gerade an diesem Beispiel anderen Marketingtreibenden einen Tipp geben?

Unsere Mitarbeiter aus der Schulkontaktpflege begleiten Projektwochen und halten Unterrichtsstunden in unseren externen Lernorten ab. Zusätzlich stellen wir praxisbezogene Materialien zur Verfügung. Unser soziales Engagement ist uns wichtig, da wir es zum einen sehr begrüßen, dass das Thema Energie und Wasser einen besonderen Platz in den Schulen eingenommen hat. Zum anderen stellen wir anhand unserer Materialien sicher, dass Theorie und Praxis auf interessante Art und Weise vermittelt und verstanden werden. Einen besonderen Vorteil, den wir als Experten haben, ist der, dass wir mit Hintergrundinformationen ganz anders Begeisterung wecken können als durch bloße Theorie. Diese Erfahrungen durch praxisnahen Unterricht findet man selten in Lehrbüchern.
Natürlich gehört das soziale Engagement als Instrument zum Marketing dazu oder sollte zumindest im Ansatz berücksichtigt werden. Denn, aus reiner Marketingperspektive gesprochen, zahlt sich Engagement für Marken aus. Kunden schätzen Marken, die sich sozial engagieren und unterstützen diese gerne. So wiegt auch die Bereitschaft, eine Marke weiterzuempfehlen, deutlich höher. Nicht zu unterschätzen ist auch die Erwartungshaltung der Konsumenten, dass sich Unternehmen, vor allem größere, für gute Zwecke einsetzen.

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Sie haben eine wissenschaftliche Ausbildung – wie sind Sie an den Bereich Kinder- und Jugendbildung gekommen?

Meine Tätigkeit in der Schulkontaktpflege der NEW bietet mir die Möglichkeit, zur naturwissenschaftlichen-technischen Bildung der Schüler in unserem Versorgungsgebiet beizutragen. So bin ich einerseits meiner technischen Ausbildung treu geblieben und kann anderseits mit viel Freude an der Vermittlung von Wissen, Kindern und Jugendlichen unsere Unternehmensbereiche näher bringen.

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Warum sind Kinder und Jugendliche die schönsten aller Zielgruppen für Sie?

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Kinder und Jugendliche sind in besonderem Maße begeisterungsfähig und kreativ. Sie sind darüber hinaus total ehrlich, ihre Begeisterung oder ihre Langeweile sind echt, das Feedback kann man direkt in ihren Gesichtern ablesen. Eine schöne Bestätigung für mich ist auch, wenn die Lehrkräfte ihre eigenen Schüler im positiven Sinne nicht mehr wiedererkennen. Wenn das Lernangebot dann noch zu einer Verhaltensänderung führt, zum Beispiel zum ressourcenschonenden Umgang mit Energie und Wasser, dann hat unser Lernangebot zu 100 Prozent das Unterrichtsziel erreicht.