„Verkehrsübungsplatz“ für soziale Medien
11 Fragen an Christopher Bick, EDYOU GmbH – April 2016

Ein soziales Netzwerk für die Schule, das gleichzeitig Lernplattform, Organisationstool und Kommunikationszentrale ist?

Wie EDYOU den Schulalltag revolutionieren will und parallel einen sicheren Übungsplatz für Jugendliche in sozialen Medien schafft, beschreibt Geschäftsführer Christopher Bick im KJMK-Interview.

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EDYOU ist eine Lern- und Kommunikationsplattform für Schulen. Bitte erklären Sie uns doch, was genau sich dahinter verbirgt.

EDYOU ist die cloudbasierte Lösung für eine schnelle, datenschutzkonforme und unkomplizierte interne Kommunikation zwischen Lehrern, Schülern, Eltern sowie Schulverwaltung. Über das interaktive Netzwerk können Nachrichten und Dokumente via Smartphone, PC oder Web ausgetauscht, Termine und Stundenpläne veröffentlicht und durch einen Live-Chat und Gruppenfunktionen in den persönlichen Kontakt mit Nutzern der Plattform getreten werden. Zudem verfügt jeder Nutzer und jede angelegte Gruppe über eine eigene Dateiablage.

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„An einer Cloud-Lösung kommen die Schulen künftig nicht mehr vorbei“ – Wieso?
Und warum legen Sie den Schwerpunkt (auch) auf ein schulinternes soziales Netzwerk?
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Wir sehen die Cloud-Lösung als Zukunft der digitalen Schule, da sie gegenüber den klassischen Lernmanagement-Systemen, die sich meist auf Server-Basis gründen, deutliche Vorteile bietet. Einerseits entsteht für die Nutzer ein Kostenvorteil, da die Anschaffung und Wartung teurer Serverhardware entfällt. Andererseits können wir durch die zentrale Cloudstruktur eine sehr effiziente Verwaltung erreichen, da eine Doppelspeicherung von Dateien automatisch unterbunden wird. Der Schwerpunkt von EDYOU liegt dabei auf einer intuitiven Funktionsweise, die an die eines sozialen Netzwerks angelehnt ist. Wir denken, dass diese neue Form in Zukunft weiter an Relevanz gewinnen wird, da soziale Netzwerke vielfältige Möglichkeiten zur Kommunikation und Kollaboration bieten. Mit EDYOU möchten wir diese Vorteile bündeln und zielgerichtet im Schulalltag nutzen.

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Mit EDYOU wollen Sie u.a. Medienkompetenz an Schüler vermitteln – warum halten Sie das für wichtig? 

Neue Medien und soziale Netzwerke sind fest im Alltag von Schülern verankert. Die Medienkompetenz erlangen die Schüler meist durch Ausprobieren mit Freunden in einer nicht kontrollierbaren Umgebung. In den Schulen ist Medienkompetenz als Unterrichtsbestandteil auch noch nicht flächendeckend verankert. Dabei ist aufgrund der drohenden Gefahren in den Netzwerken eine sichere Lernumgebung für junge Menschen von Nöten, um den Umgang mit diesen zu erlernen.

Firmenportrait EDYOU GmbH, Christopher Bick, Marketing und Felix Ferchland, Geschaeftsfuehrer

Christopher Bick ist 28 Jahre alt und hat nach seinem Abitur 2007 digitale Medien an der Dualen Hochschule Ravensburg studiert. Vor der Gründung von EDYOU arbeitete er für ein Telekommunikationsunternehmen in den arabischen Emiraten. Die Idee zu EDYOU entstand bereits während der Schulzeit der beiden Gründer und ist dann im Studium ausgereift. EDYOU wurde von Felix Ferchland und Christopher Bick erdacht und entwickelt. Seit 2015 ist EDYOU Teil der heinekingmedia GmbH.

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Wie unterstützen Sie mit Ihrem Tool die Entwicklung von Medienkompetenz? 

EDYOU gibt den Schülern die Möglichkeit, sich in einer geschützten und regulierten Umgebung in einem sozialen Netzwerk zu bewegen. EDYOU stellt dabei einen „Verkehrsübungsplatz“ zur Verfügung, um in der täglichen Internetnutzung die Medienkompetenz der Schüler nachhaltig zu verbessern. Wird den Schülern in der Schule bereits eine Orientierung und Hilfestellungen für neue Medien geboten, werden die Schüler auch im privaten Umfeld umsichtiger mit sensiblen Daten umgehen.

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Welche Zielgruppen sind am leichtesten, welche am schwersten zu begeistern? In welchen Schulstufen ist die Nutzung am stärksten bzw. in welchen Stufen erwarten Sie die stärkste Nutzung?

Natürlich möchten wir mit EDYOU jede Nutzergruppe an der Schule erreichen. Unser Konzept stößt in der Praxis auch auf große Nachfrage, wobei kleinere Schulen auf dem Land oder Schulen mit vorrangig eher jungen Schülern schwieriger zu erreichen sind als Oberstufen. Das liegt einerseits am geringeren Organisationsaufwand bei kleineren Einrichtungen, andererseits ist die Nutzung digitaler Medien für Kinder im Grundschulalter noch nicht so relevant wie bei älteren Schülern. Aus dieser Sicht erwarten wir die stärkste Nutzung gerade bei den älteren Schülergruppen und den Lehrern, bzw. der Kommunikation innerhalb der Schulverwaltungen.

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Wie medienkompetent sind aus Ihrer Erfahrung die Lehrer?

Die Medienkompetenz selber und auch das Interesse der Lehrer an neuen Medien hat sich in den letzten Jahren bereits deutlich gewandelt. Da der Lehrerberuf viele verschiedene Tätigkeiten mit sich bringt, wurde der Medienkompetenz bislang noch nicht die Aufmerksamkeit zuteil, die sie verdient. Mit einer neuen Lehrergeneration, die mit innovativen Kommunikationsmedien und dem Internet aufgewachsen ist und soziale Netzwerke auch im privaten Alltag verwendet, hält dieses Interesse jedoch auch im Schulalltag immer mehr Einzug. Aus diesem Blickwinkel ist zu erwarten, dass das generelle Umdenken in Richtung der digitalen Schule in den nächsten Jahren weiter voranschreitet.

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Für Schüler ist die private Kommunikation mit Mitschülern und Freunden Kern ihrer Smartphone-Nutzung – wie passt EDYOU in dieses Kommunikationsverhalten und in die Welt der üblichen sozialen Netzwerke? 

Für viele Menschen ist das Smartphone mittlerweile zum wichtigsten Kommunikationsgerät geworden. Insbesondere Schüler nutzen das Smartphone, aber auch Lehrer und Schulverwaltungen machen zunehmend Gebrauch von dieser Kommunikationsmöglichkeit. EDYOU stellt dabei eine datenschutzkonforme Alternative für bestehende soziale Netzwerke im Schulalltag dar. Das Design passt sich der Oberfläche an und ist auch unterwegs von mobilen Endgeräten abrufbar. Wir bieten alle Funktionen der bekannten sozialen Netzwerke, stellen diese jedoch in einem datenschutzunkritischen Rahmen bereit.

Der Fokus liegt ganz klar auf dem Austausch der Teilnehmer untereinander, wie sie beispielsweise von WhatsApp bekannt ist. EDYOU bietet ebenfalls die Möglichkeit, über den auf der Plattform integrierten Instant-Chat mit einem oder mehreren Nutzern zu kommunizieren sowie Dateien zu teilen. Zudem kann der Schulalltag in Gruppen über Termine und Stundenpläne organisiert werden. Ein weiteres nützliches Feature ist die persönliche Dateiablage, die wie eine eigene Dropbox funktioniert. Dateien können dort hochgeladen, von überall abgerufen und geteilt werden.

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Wo entsteht für Schüler Faszination bei der Nutzung des Tools? Was macht ihnen daran Spaß?

EDYOU bietet ein frisches, modernes Design und eine einfache Bedienbarkeit, die die Nutzer bereits von sozialen Netzwerken aus dem privaten Umfeld kennen. Mit diesen Features wollen wir die Schüler genau dort abholen, wo sie sich privat aufhalten – in den sozialen Netzwerken. Die Schüler schätzen diese intuitive Bedienung ohne große Einarbeitungszeit und können die Plattform sofort nutzen.

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Was tun Sie, um die Eltern ins Boot zu holen? Und wie können die Schulen mit Eltern umgehen, die eine solche Plattform ablehnen? 

Elternteile von Kindern, an deren Schule EDYOU genutzt wird, können sich einen eigenen Account erstellen und sich so mit ihrem Kind, Lehrern oder auch der Schulverwaltung vernetzen. Die Eltern genießen dabei dieselben Vorteile wie alle Nutzer, können ihren Tag organisieren oder mit Lehrern direkt über die Plattform kommunizieren. Das spart Zeit bei der Kontaktaufnahme und komplizierte Zettelwirtschaft wird umgangen. Die Einbindung von Eltern auf der Plattform geschieht auf freiwilliger Basis, kein Elternteil ist dazu verpflichtet, EDYOU zu nutzen.
Im Normalfall kommuniziert die Schule im Voraus an die Eltern den Einsatz von EDYOU. Dank des transparenten Datenschutzkonzepts haben sich Eltern bislang aber noch nicht gegen den Einsatz ausgesprochen.

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Wie beugen Schulen vor, dass „neue“ Benachteiligungen im Bildungssystem entstehen, wenn Schüler, Eltern oder auch einzelne Lehrer sich nicht (aktiv) an EDYOU beteiligen können oder wollen? 

EDYOU kann und soll die klassischen Lehrmethoden nicht ersetzen, sondern als hilfreiche Ergänzung den Unterricht zeitgemäß anreichern. Somit ist die Plattform unabhängig von den üblichen pädagogischen Methoden einzuordnen. Die Schulen entscheiden sich vielmehr bewusst dafür, die Plattform als sicheres, soziales Netzwerk im Schulalltag einzusetzen, um die Verwendung von WhatsApp oder facebook zu unterbinden und trotzdem alle Vorteile dieser Dienste nutzen zu können.

Inwieweit der einzelne Lehrer seinen Unterricht mit neuen Funktionen anreichert, bleibt ihm selber überlassen, sodass keine generellen Benachteiligungen im Bildungssystem entstehen. Allerdings ist unser Anspruch, jeden Lehrer von unserer Plattform zu überzeugen.

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Warum sind Kinder und Jugendliche die wichtigsten und schönsten Zielgruppen für Sie persönlich?

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Mehr Infos
→ EDYOU

Da wir in unserer eigenen Schulzeit einige innovativen Neuerungen in der Schule vermisst haben und die technische Ausstattung an der Schule nicht zeitgemäß war, ist die Idee zu EDYOU geboren. Wir wollen gerade den Schülern als Zielgruppe die Möglichkeit geben, in einer modernen und zeitgemäßen Umgebung aufzuwachsen, da wir der Meinung sind, dass die Lernmotivation so steigt. Zudem haben wir uns das Ziel gesetzt, die Medienkompetenz in der Schule mittel- und langfristig zu verbessern und die Schüler optimal auf die digitale Welt und das Arbeitsleben vorzubereiten.